Helsinki – Siebter Weltkongress zum Thema Schlafapnoe

Hilfe bei Schnarchen und Schlafapnoe
Die meisten intraoralen Schnarchtherapiegeräte müssen vom Zahntechniker mittels eines Gipsabdrucks von Ober- und Unterkiefer des Patienten individuell angefertigt werden, was zeit- und kostenaufwendig ist. So steht der zeitliche und finanzielle Aufwand nicht immer in einem sinnvollen Verhältnis zum Therapieerfolg. Als zeitsparende und kostengünstige Alternative bieten sich Vorrichtungen aus einem Material an, das durch Erhitzen weich und verformbar gemacht wird und dann dem Patienten direkt – ohne vorherige Anfertigung eines Gipsabdrucks – angepasst werden kann (so genannte »Boil-and-bite«-Geräte). Eine solche Vorrichtung, die bereits in mehreren klinischen Studien mit guten Ergebnissen getestet wurde, ist SomnoGuard®. Es handelt sich dabei um eine intraorale progenierende Schiene, d. h. eine Schiene, die nachts im Mund getragen wird und den gesamten Unterkiefer nach vorn verlagert.
 
Die Anpassung ist denkbar einfach: SomnoGuard® besteht aus einem in erwärmtem Zustand weichen und formbaren Kunststoff. Die Schiene wird in 90 bis 95°C heißem Wasser erwärmt und dann an die Ober- und Unterkieferzahnreihe des Patienten angepasst; dabei wird der Patient gebeten, den Unterkiefer so weit vorzuschieben, dass dieser sich ungefähr in der Mitte zwischen der normalen Position und der maximal möglichen Protrusion (Vorschiebung) befindet. Dann wird der Patient aufgefordert, zuzubeißen. Das Mundstück wird nach dem Abkühlen in kaltes Wasser getaucht und so weiter verfestigt. Die Anpassung dauert nur fünf bis zehn Minuten – und schon kann der Patient die fertige Schiene mit nach Hause nehmen. Sollte sich später herausstellen, dass die Vorverlagerung des Unterkiefers für einen befriedigenden Therapieerfolg nicht ausreicht, kann die Schiene noch ein zweites Mal erhitzt und mit stärkerer Unterkieferprotrusion erneut angepasst werden.
 
Schnarchen und Tagesschläfrigkeit besserten sich
Dr. Olivier Vanderveken vom Universitätshospital in Antwerpen hat eine Studie mit Somnoguard® durchgeführt, deren Ergebnisse in Helsinki präsentiert wurden. Ziel der Studie war es, die Auswirkung dieser Schiene auf Schnarchen und Tagesschläfrigkeit zu untersuchen. Zur Einschätzung der Tagesschläfrigkeit wurde eine Schläfrigkeitsskala (Epworth Sleepiness Scale, ESS) herangezogen, die die Patienten ausfüllen mussten. Als übermäßige Tagesschläfrigkeit wurde ein Epworth-Sleepiness-Scale-Wert über 10 festgelegt. Zur Einschätzung des Schnarch-Schweregrades diente die Visual Analogue Scale (VAS) von 1 bis 10, die die Studienteilnehmer unter Befragung oder mit Hilfe ihres Bettpartners/ihrer Bettpartnerin ausfüllten. Bei einem Skalenwert von 0 lag gar kein Schnarchgeräusch vor; am anderen Ende der Skala (Skalenwerte zwischen 7 und 10) war das Schnarchen so laut, dass der Partner/die Partnerin entnervt das Schlafzimmer verließ. Starkes Schnarchen wurde in dieser Studie als ein Skalenwert von 7 oder darüber definiert, was einem ziemlich lauten Schnarchgeräusch entspricht.
 
An der Studie nahmen 36 starke Schnarcher teil: 29 Männer und 7 Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 47 Jahre; die Teilnehmer waren mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 26 kg/m2 leicht übergewichtig. Alle hatten einen Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) unter 20, der mittlere AHI betrug 6,3; es lag also entweder primäres (nicht gesundheitsgefährdendes) Schnarchen oder eine leichtgradige Schlafapnoe vor. Die Patienten füllten vor Anpassung der Schiene, dann wieder nach einem Monat und nochmals nach sechs Monaten die Epworth Sleepiness Scale und die Visual Analogue Scale zur Bewertung ihrer Schnarchgeräusche aus. Nach zehn Monaten wurden diejenigen Teilnehmer, die das Gerät immer noch benutzten und bei denen das Schnarchen deutlich reduziert worden war, als »Responder« definiert – d. h. als Patienten, die auf die Therapie angesprochen hatten. Dazu musste der Wert auf der VASSchnarchskala bei 3 oder darunter liegen, was bedeutet, dass praktisch kein Schnarchgeräusch mehr zu hören war. Vor Anpassung des Geräts hatten neun der insgesamt 36 Patienten über eine übermäßige Tagesschläfrigkeit geklagt. Von diesen neun Patienten hatten sechs nach Anpassung der Schiene (bei den Nachuntersuchungsterminen nach einem bzw. sechs Monaten) nur noch einen Epworth-Sleepiness- Scale-Wert von 10 oder weniger – SomnoGuard® hatte ihre Tagesschläfrigkeit also beseitigt. Auch die geplagten Bettpartner(innen) konnten endlich aufatmen: Nach zehn Monaten war eine Responderrate von 56 % zu verzeichnen, d. h., dass 20 der 36 untersuchten starken Schnarcher das Gerät immer noch benutzten und dass ihr Schnarchen sich dadurch auf einen Geräuschpegel reduziert hatte, der nicht mehr als störend empfunden wurde (entsprechend einem Schnarchskalen-Wert von 3 oder weniger). Der Durchschnittswert hatte vor Anpassung des Geräts bei 9 gelegen und war nach einem Monat im Durchschnitt auf 4,1 gesunken; nach 6 Monaten betrug er durchschnittlich 4,2.
 
Die Studie zeigt, dass SomnoGuard® Schnarchen und Tagesschläfrigkeit bei starken Schnarchern und Patienten mit leichter obstruktiver Schlafapnoe deutlich reduzieren kann. Das häufigste Problem der Teilnehmer war, dass die Schiene vorübergehend zu Studienbeginn manchmal nachts herausfiel; ansonsten wurde sie in der Regel gut vertragen.
 
Quelle: Helsinki – Siebter Weltkongress zum Thema Schlafapnoe, Marion Zerbst